Das Bergamont Encore 9.0 bildet die goldene Mitte der brandneuen Enduro-Baureihe des Hamburger Fahrradvertriebs und positioniert sich mit 170 Millimetern Federweg an der Front gegenüber den beiden Schwestermodellen als Long-Travel-Variante in der Serie. Dadurch wird der Einsatzbereich vordefiniert: Das Encore 9.0 zeigt eine klare Bergaboptimierung, soll aber dennoch als Allrounder mit Uphill- und Tour-Qualitäten überzeugen. Wir haben uns das Bike ausführlich angeschaut und im praktischen Einsatz auf dem Singletrail, im Bikepark sowie bei Touren getestet. Wie sich das neue Enduro dabei schlägt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Mit der Encore-Serie hat Bergamont für die Saison 2016 eine neue Enduro-Plattform vorgestellt, die zusammen mit dem eigenen Race-Team im Rahmen der Weltmeisterschaft entstanden ist. Insgesamt drei Modelle umfasst die neue Baureihe, die laut Hersteller dank der modernen Geometrie und des satten Federwegs von 160 bis 170 Millimetern für einen breiten Einsatzbereich konzipiert wurde. Neben technisch anspruchsvollen Touren samt Auf- und Abfahrten sowie dem Ausflug in unwegsamen Gelände, soll das Encore problemlos dem gelegentlichen Freeride-Einsatz gewachsen sein. Damit positioniert der Hamburger Fahrradvertrieb das neue Modell genau oberhalb des Trailster und kann den direkten Nachfolger des mittlerweile eingestellten Threesome EX vorstellen. Gegenüber letzterem ist das 2016er-Enduro allerdings von Grund auf neuentwickelt und bringt einige frische Features sowie Detaillösungen mit, denn die Entwickler haben sich einiges für das Encore einfallen lassen.

Erstmals auf der Eurobike 2015 hat Bergamont alle drei Modellvarianten vorgestellt. Klar war allerdings bereits im Vorfeld, dass es einen Team-Ableger geben wird, denn neben diversen Spekulationen im Netz, hatten wir selbst die Gelegenheit, den Prototyp des neuen Enduros auszuprobieren. Die beiden anderen Versionen positionieren sich klar unter dem Top-Modell. Den Einstieg bildet dabei das Encore 8.0 mit einer deutlichen Touren-Orientierung mit Uphill-Ausrichtung: Der Hersteller verbaut einen 2×10-Antrieb und verzichtet auf eine Vierkolben-Bremse. Als mittleres Modell sticht das Bergamont Encore 9.0 mit der gewählten Ausstattung als Long-Travel-Enduro aus der Serie heraus. Genau deshalb haben wir uns für einen Test dieses Bikes entschieden.

Das Bergamont Encore 9.0 im Detail

Rahmen / Hinterbau

Für das Encore hat Bergamont einen speziellen Rahmen entwickelt, der stark an den des Trailster erinnert. Doch der Hersteller übernimmt nur die grobe Form und passt die Proportionen entsprechend an das Einsatzgebiet an. Demzufolge fällt der verwendete Rohrsatz augenscheinlich massiv aus, ohne überdimensioniert zu wirken.

Gerade das zum Tretlager hin breit verlaufende Unterrohr lässt auf eine hohe Steifigkeit in diesem Bereich hoffen. Auch die Verstärkung im oberen Sitzdreieck, die Verbindung an der Kettenstrebe und die massive Dämpferaufnahme zeigen, dass Bergamont bei dem Enduro auf eine hohe Stabilität setzt. Dieser Eindruck wird durch das verwendete Material untermauert: Der Hauptrahmen besteht aus wärmebehandeltem, dreifach-konifiziertem 6013-Leichtbau-Aluminium, das laut Datenblatt eine hohe Zugfestigkeit und Härte aufweist.

Eine Besonderheit des Bergamont Encore 9.0 ist der Einsatz von High-Modulus-Carbon-Teilen im Bereich der Kettenstreben und der Umlenkwippe. Dadurch soll nicht nur die Steifigkeit des Hinterbaus zunehmen, auch das Thema „Gewichtsoptimierung“ spielt dabei eine Rolle. Zum Schutz dieser empfindlichen Kohlefaser-Elemente sind Gummi-Protektoren an den Kettenstreben angebracht, um Steinschläge und andere Beschädigungen zu unterbinden. Außerdem implementiert der Hamburger Fahrradbauer das sogenannte „Coax Pivot System“, das bereits beim Threesome EX zum Einsatz kam. Dabei handelt es sich um die Positionierung des hinteren Schwingenlagers um die Hinterachse, was laut Hersteller für maximale Entkoppelung von Federung und Bremse sorgt, wodurch Bremsstempeln aktiv unterbunden wird. Durch die CPS-Technologie und aufgrund des fehlenden Horst-Links, wird das Enduro nicht als Viergelenker, sondern als abgestützter Eingelenker eingestuft, obwohl vier Umlenkpunkte vorhanden sind.

Die Kinematik des Hinterbaus verläuft nach Angabe des Herstellers mit weitestgehend linearer Kennlinie, deren Progression zum Ende hin ansteigt. Dies führt in der Theorie zu einer optimalen Ausnutzung des gesamten Federwegs mit hoher Durchschlagsicherheit. Zusätzlich verspricht der Hamburger Fahrradvertrieb ein sensibles Ansprechverhalten des Hinterbaus, bei ordentlicher Antriebsneutralität.

Ansonsten kann das Bergamont Encore 9.0 mit innenverlegten Zügen aufwarten, die von oben durch das Unterrohr in Richtung Tretlager verlaufen und kurz vor dem Sitzrohr austreten. Die Ein- und Ausgänge der Leitungen sind mit Gummi-Führungen versehen, was ein Klappern der Züge im und am Rahmen verhindern soll. In praktischen Einsatz funktioniert diese Umsetzung auch wirklich gut. Selbst bei höheren Drops und anspruchsvollen Trails waren keine Geräusche durch die Züge zu vernehmen. Die Positionierung der Leitungen ist zudem so gewählt, dass eine Beschädigung beispielsweise durch Bodenkontakt nahezu ausgeschlossen ist.

Geometrie

Anhand der modernen, aber doch recht aggressiven Geometrie des Bergamont Encore 9.0 ist klar zu erkennen, dass es sich bei diesem Bike um ein Enduro mit Race-Ausrichtung handelt. Oberrohr und Reach fallen bei Größe M mit 608 respektive 450 Millimetern recht lang aus. Hinzukommt das tiefe Tretlager und der flache Lenkwinkel von 65 Grad. Diese Eckdaten versprechen Laufruhe und Spurstabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Die mit 430 Millimetern recht kurzen Kettenstreben, sollen allerdings für ein agiles Handling sorgen. Auch beim Bergauffahren dürfte die Geometrie mit dem Sitzwinkel von 75,3 Grad zu einem ordentlichen und effizienten Vortrieb führen.

Geometrieverstellung

Ein Besonderheit aller Encore-Modelle: Dank Flip-Chip an der unteren Dämpferaufnahme kann die Geometrie leicht verändert werden. Dadurch lassen sich Lenk- und Sitzwinkel sowie die Tretlagerhöhe in gewissem Maß anpassen: Wird die Position „High“ gewählt, liegt das Tretlager-Offset bei -4,8 Millimetern. Lenk- und der Sitzwinkel ändern sich auf 65,7 respektive 76,1 Grad. Regulär wird das Bergamont Encore 9.0 mit der unteren Position des Flipchips ausgeliefert. Dabei liegt das Tretlager-Offset auf -14 Millimeter, was für einen tieferen Schwerpunkt und damit für mehr Kontrolle sowie eine bessere Beschleunigung bergab sorgt. Lenk- und Sitzwinkel sind mit 65,0 beziehungsweise 75,3 Grad angeordnet. Ersteres führt zu einem etwas verspielteren Handling und einer besseren Wendigkeit.

Die folgende Tabelle zeigt die Geometrie-Daten des Bergamont Encore 9.0:

Rahmengröße

S

M

L

XL

Sitzrohrlänge400 mm440 mm480 mm515 mm
Sitzrohrwinkel75,3 / 76,1 Grad75,3 / 76,1 Grad75,3 / 76,1 Grad75,3 / 76,1 Grad
Obberrohrlänge587 mm608 mm628 mm654 mm
Steuerrohrlänge100 mm115 mm130 mm145 mm
Lenkwinkel65,0 / 65,7 Grad65,0 / 65,7 Grad65,0 / 65,7 Grad65,0 / 65,7 Grad
Kettenstrebenlänge430 mm430 mm430 mm430 mm
Reach435 mm450 mm464 mm485 mm
Stack574 mm602 mm615 mm629 mm
Tretlagerabsenkung-14 / -4,8 mm-14 / -4,8 mm-14 / -4,8 mm-14 / -4,8 mm
Federweg Heck165 mm165 mm165 mm165 mm
Laufradgröße27,5 Zoll27,5 Zoll27,5 Zoll27,5 Zoll

Design / Optik

Rein optisch betrachtet, gefällt das Bergamont Encore 9.0 auf den ersten Blick. Zwar verzichtet die Hamburger Fahrradschmiede auf hervorstechende Neonfarben, aber der mattweiße Rahmen mit den schwarzen Akzenten und roten Schriftzügen führt zu einem stimmigen Gesamtbild. Dazu tragen auch die farblich abgestimmten Decals der Gabel, der Laufräder und des Lenkers bei. Passend zum Design des Testrads haben wir die neuen Rove-R2-Pedale aus der Red-Mist-Collection von Answer verbaut, die sich homogen in das optische Gesamtbild einfügen. Einen separaten Test wird es davon ebenfalls geben.

Ausstattung

Fahrwerk

Passend zur Klassifizierung des Bergamont Encore 9.0 als Enduro, setzt sich das Fahrwerk aus Fox 36 Float Performance Elite und Rock Shox Monarch Plus RC3 Debon Air zusammen. Die Gabel ist genau für diesen Einsatzbereich konzipiert und bietet mit 170 Millimetern Hub mehr als genügend Federweg. Dank der dicken Standrohre mit 36 Millimetern Durchmesser ist auch eine optimale Stabilität gegeben. Zusätzlich weist die Fox 36 in der 2016er-Version die neue FIT4-Dämpfung für ein besseres Ansprechverhalten auf. Bei der vierten Generation der Fox Isolated Technology handelt es sich um eine vollgekapselte Patrone, welche die drei Druckstufenpositionen „OPEN“, „MEDIUM“ und „FIRM“ bereitstellt. Damit lässt sich das Federverhalten während der Fahrt entsprechend an die Geländebedingungen anpassen. Außerdem ist die neue Fox 36 inzwischen auch mit 15-Millimeter-QR-Steckachse erhältlich, was den Ein- und Ausbau des Reifens deutlich beschleunigt. Genau diese Version kommt beim Bergamont Encore 9.0 zum Einsatz.

Am Hinterbau realisiert der Hersteller einen Federweg von satten 165 Millimetern, was in Zusammenspiel mit dem gewählten Dämpfer für eine ordentliche Reserve sorgt. Verwendung findet – wie bereits erwähnt – der Rock Shox Monarch Plus RC3 Debon Air mit ML-Tuning. Diese Variante wurde gewählt, um optimal mit der Kinematik des Hinterbaus zu harmonieren. Durch die großen Negativ- sowie Positiv-Luftkammern soll der Dämpfer sensibel ansprechen und mit der „Rapid Recovery“-Technologie schneller in die Ausgangsposition bei aufeinanderfolgenden Schlägen zurückkehren. Dies führt laut Rock Shox zu einer präziseren Arbeitsweise des Hinterbaus und damit zu mehr Bodenhaftung. Außerdem bietet der Monarch Plus RC3 drei vordefinierte Druckstufen-Abstimmungen, die sich einfach per Hebel einstellen lassen. Ein Piggy-Back darf bei einem Dämpfer für ein abfahrtsorientiertes Enduro ebenfalls nicht fehlen, um die maximale Feder-Performance über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten.

Cockpit

Der Steuerbereich des Bergamont Encore 9.0 fällt sehr breit aus: Verbaut ist ein 780-Millimeter-Lenker aus der Pro-Taper-Serie von Answer, der aus 7050-Aluminium gefertigt wurde. Dessen Rise liegt bei 12,7 Millimetern. Aufgrund der Breite des Lenkers ist mehr als genügend Platz für die beiden Brems- und den Schalthebel sowie die Fernsteuerung der Vario-Sattelstütze vorhanden. Daher wirkt das Cockpit sehr aufgeräumt, vor allem, weil auch die Länge der Leitungen optimal gewählt wurde. Bei den Griffen nutzt der Hersteller die eigenen Produkte. Deren dauerhafte Fixierung erfolgt über jeweils einen Lock-Ring. Von Answer kommt hingegen der recht kurze AME-Vorbau mit einer Länge von 45 Millimetern bei Rahmengröße M. Selbiger dürfte zusammen mit dem breiten Lenker für ein direktes Fahrgefühl sorgen.

Sitzbereich

Der Sattel des Bergamont Encore 9.0 stammt aus dem Hause SDG. Verwendung findet das Falcon-Modell im speziellen BGM-Design mit Cro-Mo-Streben. Hierbei handelt es sich um einen Sattel mit breitem Einsatzbereich, der durch seine Formgebung, Materialwahl und die mittelharte Polsterung zu den bequemeren seiner Art gehört.

Um die Klettereigenschaften des neuen Enduros zu verbessern, verbaut Bergamont eine Vario-Sattelstütze von Kind Shock in Form der LEV Integra. Diese bietet einen Hub von 125 Millimetern und bringt eine ergonomische Lenkerfernbedienung mit. Die Zugverlegung dieser Vario-Sattelstütze erfolgt beim Bergamont Encore 9.0 innerhalb des Rahmens.

Antrieb

Wenig überraschend verbauen die Hamburger an dem neuen Enduro einen 1×11-Antrieb. Zum Einsatz kommen ausschließlich Komponenten aus der Shimano-XT-Gruppe. Beim Schaltwerk wird auf die Shadow-Plus-Variante mit Dynasis-II-Technologie zurückgegriffen und auch die Hollow-Tech-Kurbelgarnitur samt Pressfit-Lager stammt aus dieser Serie. Damit verfügt das Bergamont Encore 9.0 über einen verlässlichen und stabilen Antrieb für die härtere Gangart. Noch mehr Sicherheit in diesem Bereich wird unter anderem durch die vormontierte LG1-Kettenführung von e*thirteen mit Stahl-Backplate und Bashguard realisiert. Selbige ist an der serienmäßig vorhandenen ISCG05-Halterung verschraubt.

Laufräder

Die 27,5-Zoll-Laufräder des Bergamont Encore 9.0 sind individuell aus Bauteilen von Sun Ringle zusammengesetzt. Dabei kombiniert die Hamburger Fahrradschmiede die robuste Jumping-Flea-Nabe mit den Inferno-29-Felgen. Das Resultat ist ein Laufradsatz, der für den All-Mountain- bis zum Freeride-Einsatz geeignet ist. Leider sind die Felgen nicht „Tubeless Ready“ und können daher nur mit Tape auf den schlauchlosen Betrieb umgerüstet werden.

Erfreulicherweise verzichtet Bergamont beim Encore gegenüber anderen Herstellern auf einen Reifen, der lediglich das Gewicht schönt und für den angedachten Einsatzzweck nicht geeignet ist. Ganz im Gegenteil das neue Enduro der Hamburger wurde mit der Faltversion des Maxxis High Roller II ausgerüstet. Selbiger ist vor allem für eine hohe Traktion auf diversen Untergründen und eine lange Haltbarkeit bekannt. Dank Exo-Protection und 3C-Maxx-Terra-Gummimischung ist der Reifen für Enduro und Freeride bestens geeignet.

Bremssystem

Beim Blick auf die Bremsen wird aufgrund des unverkennbaren Designs direkt klar, dass das Bergamont Encore 9.0 mit den Vierkolben-Sätteln von Magura ausgestattet ist. Ab Werk an Front und Heck verbaut, ist die MT5 mit 180- respektive 200-Millimeter-Rotoren. Diese Konfiguration lässt der allgemeinen Meinung nach auf eine hohe Bremskraft und einfache Wartung schließen.

Zu den Highlights der Bremse gehören eine geschmiedete, kräftige 4-Kolben-Bremszange, das MagnetiXchange-System für schnelle Belagwechsel und die die beiden Bremsgriffe mit ergonomischem, werkzeuglos verstellbaren 2-Finger-Hebel sowie dem leichten Carbotecture-Gehäuse. Zusätzlich bietet die Magura MT5 eine automatische Belagnachstellung und drehbare Leitungsanschlüsse.

Gewicht

Mit der genannten Ausstattung kommt das Bergamont Encore 9.0 in Größe M auf ein Gewicht von 14,1 Kilogramm (Herstellerangabe). Zwar gehört es trotz Carbon-Kettenstreben und -Umlenk-Wippe nicht zu den leichtesten Enduros, kann sich allerdings mit einer hohen Steifigkeit behaupten. Insofern gehen die etwas über 14 Kilogramm mehr als in Ordnung. Auch hier wird wieder deutlich, dass die Hamburger mit dem Encore 9.0 eher auf eine hohe Haltbarkeit als auf eine maximale Gewichtsoptimierung aus sind.

Erweiterungsmöglichkeiten

Wer will, kann das Bergamont Encore 9.0 mit einem High-Direct-Mount-Umwerfer ausstatten. Neben dem entsprechenden Montageplatz ist auch die Vorbereitung der Kabelführung durch den Rahmen vorhanden.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Verarbeitung

In Sachen Verarbeitung kann das Bergamont Encore 9.0 wirklich überzeugen. Der in Taiwan gefertigte Rahmen weist saubere Schweißnähte auf, die gleichmäßig aufgetragen wurden. Auch der mattweiße Lack ist kratzfest und lässt sich ohne Farbrückstände leicht reinigen. Einzig die schwarzen Akzentuierungen zeigen schnell leichte Abnutzungsspuren.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Doch nicht nur der Rahmen und die Anbauteile zeigen eine hohe Verarbeitungsgüte, auch das fertige Bike wurde ordentlich montiert. Gerade die Zugverlegung am Cockpit fällt sehr ordentlich aus, da die Leitungen so lang wie nötig aber so kurz wie möglich gehalten sind. Passend dazu versieht der Hersteller die Leitungen mit einer Art Kabelschlauch, was der Ordnung ebenfalls zugutekommt. Doch diese Detaillösung ist nicht die einzige am Bergamont Encore 9.0: Die Öffnung im Bereich der Sattelstützenklemme wurde mit einem Schutz versehen, was dem Eindringen von Schmutz und dem daraus resultierenden Knacken entgegenwirkt. Außerdem verhindern die bereits aufgeführten Gummi-Führungen an den Ein- und Ausgängen der Kabeldurchführungen ein Klappern der Leitungen im beziehungsweise am Rahmen zuverlässig.

Praxis/Fahreigenschaften

Nach dem die Spezifikationen und Features des Bergamont Encore 9.0 behandelt sind, wollen wir nun endlich auf den wohl wichtigsten Teil dieses Tests eingehen – die Praxis. Doch bevor wir mit dem Bike auf den Trail konnten, war wie immer eine kurze Einstellungsphase angesagt. Die Abstimmung des Fahrwerks verlief recht simpel, da die Fox 36 und der Rock Shox Monarch Plus RC3 Debon Air einzig über den Luftdruck und den Rebound an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Weitere Optimierungen seitens des Fahrers sind nur über den Einsatz von Spacern in den Luftkammern möglich. Wir wollten allerdings wissen, wie das Bike im Serienzustand ohne zusätzliches Tuning fährt. Daher haben wir beide Federelemente ohne weitere Progressionsanpassung auf einen Negativ-Federweg von 30 Prozent justiert. Schwere Fahrer, die ein Gesamtgewicht von mehr als 100 Kilogramm mit dem Equipment erreichen, müssen sich für den Dämpfer allerdings eine Pumpe anschaffen, die einen Druck von über 300 PSI zulässt. Aber Achtung: Der Rock Shox Monarch Plus RC3 Debon Air darf höchstens mit 350 PSI betrieben werden! Unsere Einstellung lag bei einem Gesamtgewicht von 110 Kilogramm inklusive Helm und Rucksack bei knapp 330 PSI.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Nach der recht einfach zu handhabenden Abstimmung des Fahrwerks war nur noch eine kleine, wenig aufwendige Korrektur des Cockpits sowie der Sitzposition nötig und schon konnte die erste Probefahrt auf dem Trail starten. Dabei fiel das Bergamont Encore 9.0 direkt durch ein präzises Lenkverhalten und eine angenehme Laufruhe bei höheren Geschwindigkeiten auf. Wie bereits anfänglich vermutet ist dieses Fahrverhalten dem langen Radstand beziehungsweise Reach und dem flachen Lenkwinkel geschuldet. Ebenfalls aufgefallen ist, dass das Bike stabil im straff abgestimmten Fahrwerk steht und nicht im Hub einsackt. Trotzdem spricht der Hinterbau immer noch sensibel an und schluckt kleine sowie große Unebenheiten. Zudem arbeitete der abgestützte Eingelenker beim normalen Pedalieren bergauf antriebsneutral. Erst bei steileren Passagen musste die Plattform hinzugeschaltet werden.

Bergauf lässt sich das Bergamont Encore 9.0 gemessen am langen Federweg relativ gut fahren. Dank Vario-Sattelstütze, der bequemen, zentralen Sitzposition und den drei Plattform-Presets an Gabel sowie Dämpfer waren Steigungen kein Problem. Erst bei steileren Auffahrten kommt das Bike aufgrund des 1×11-Antriebs und des doch recht flachen Lenkwinkels an die Grenzen. Die Effizienz eines All Mountains wird logischerweise nicht erreicht. Dennoch waren wir vom Vortrieb des Bergamont Encore 9.0 beim Uphill überrascht. Generell konnte das Enduro auf unserem Hometrail überzeugen und ließ sich auch auf längeren Touren effizient bewegen. Einzig die Teleskopstütze von Kind Shock blieb trotz Betätigung öfter im eingefahren Zustand hängen und löste sich erst mit erhöhten Druck auf den Sattel wieder. Dies scheint aber ein allgemeines Problem dieses Modells zu sein.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

In Winterberg haben wir das Bike dann noch einmal über alle Strecken gejagt. Unser Park-Test zog sich über den Continental Track bis hin zur Downhill-Strecke. Witterungsbedingt war der Untergrund feucht und teilweise extrem rutschig. Dennoch: Auf allen Strecken ließ sich das Bergamont Encore 9.0 souverän handlen und sorgte für viel Spaß. Trotz der langen Geometrie konnten auch enge Kurven agil gefahren werden, bedingt durch die recht kurzen Kettenstreben. An der ein oder anderen Stelle wäre allerdings eine bessere Wendigkeit ideal gewesen. Während der zahlreichen Abfahrten zeigte sich allerdings auch, dass das Fahrwerk viel einstecken kann und zum Hubende noch eine ordentliche Reserve bereitstellt, um ein Durchschlagen auch bei harten Drops oder Sprüngen zu vermeiden. Die doch recht straffe Abstimmung des Hinterbaus könnte für den ein oder anderen aber auch einen Hauch zu viel sein. Subjektiv betrachtet dürfte auch die Fox 36 gerne etwas sensibler ansprechen. Insgesamt liegt die Gabel aber auf einem hohen Performance-Niveau, doch bei langen und harten Abfahrten macht sich die straffe Federung immer wieder bemerkbar. Dafür steht die Fox 36 in jeder Art von Gelände ordentlich im Hub. Um die Sensibilität zu erhöhen ist dann eben Feintuning angesagt. Trotz des schlechten Untergrunds hatte das Bergamont Encore 9.0 dank der ab Werk verbauten Maxxis-Reifen immer genügend Grip und konnte mit einer hohen Geschwindigkeit in die Anleger gepresst werden. Satte Brems-Power stellte hingegen die Magura MT5 bereit und blieb bis auf wenige Male gut zu dosieren. Lediglich bei langen Abfahrten in unbekanntem Gelände mit vielen Bremsvorgängen verhärtete der Druckpunkt bedingt durch das hohe Gesamtgewicht von deutlich über 100 Kilogramm. Nach einer kurzen Pause funktionierte die MT5 aber wieder wie gewohnt.

Insgesamt betrachtet, entpuppte sich das Bergamont Encore 9.0 auch beim Downhill als wahre Spaßmaschine und vermittelte eine hohe Fahrsicherheit. Durch die lange Geometrie werden kleinere Fahrfehler ohne Konsequenz ausgeglichen. Prinzipiell verzeiht das Bike einiges.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Mittels Geometrieverstellung kann das Enduro etwas quirliger abgestimmt werden und klettert auch besser. Hierbei spielt allerdings die eigene Vorliebe und das Terrain eine wichtige Rolle. Prinzipiell ist die Flip-Chip-Position „Low“ für den Bergabbetrieb besser geeignet. Wer das Bike für Touren mit langen Anstiegen nutzen will, sollte die Verstellung auf „High“ umändern. Beide Settings bieten ihre Vorteile. Ausprobieren ist dabei angesagt.

Die Umstellung der Geometrie ist aber mit einem gewissen Aufwand und einigen losen Teilen verbunden. Wer die Geometrie verstellen möchte, muss idealerweise zwei Inbus-Schlüssel dabei haben und aufpassen, dass kein Teil verloren geht. Auf dem Trail ist die Anpassung nur bedingt anzuraten. Wer seine Abstimmung gefunden hat, dürfte aber sicherlich nur noch selten auf dieses Feature zurückgreifen.

Bergamont Encore 9.0 Enduro-Bike im Test

Fazit

Bergamont liefert mit dem Encore 9.0 ein hervorragendes und laufruhiges Enduro mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ab. Das Bike überzeugt durch die moderne Geometrie als Allrounder in vielerlei Hinsicht und sorgt für viel Spaß auf dem Trail, bei einer technisch anspruchsvollen Tour oder beim Freeride-Einsatz. Die Ausstattung wurde dem Einsatzzweck entsprechend robust und durchdacht gewählt. Zusätzlich überzeugte das Bergamont Encore 9.0 in der Praxis vor allem durch den stabilen Rahmen sowie das straffe und antriebsneutrale Fahrwerk, das für eine ordentliche Traktion sorgt. Auch stechen die Verarbeitung und der saubere Aufbau mit den cleveren Detaillösungen hervor.

Wer allerdings nach einem Gegenargument für das Bergamont Encore 9.0 sucht, wird nur schwer fündig. Lediglich das etwas höhere Gewicht, welches der guten Stabilität geschuldet ist und die Tatsache, dass das Fahrwerk eine Nuance geschmeidiger ausfallen könnte, sind zusammen mit der teilweise etwas zickigen Sattlestütze von Kind Shock gegen das neue Enduro der Hamburger ins Feld zu führen.

Alles in allem lässt sich das Bergamont Encore 9.0 als gelungene, aber immer noch vernünftige Spaßmaschine bezeichnen, die auch für schwere Fahrer bestens geeignet ist und viele Optionen bei der Trail-Wahl eröffnet. Wer also ein Enduro sucht, welches mit einer erstklassigen Optik, guter Technik und mit ordentlichen Fahrqualitäten aufwarten kann, dem legen wir das Bergamont Encore 9.0 für 3.799 Euro wärmstens ans Herz.

Aufgrund des wirklich überzeugenden Auftritts, vergeben wir unsere Redaktionsempfehlung:

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An dieser Stelle möchten wir Bergamont und im speziellen Matthias Faber für die Bereitstellung des Encore 9.0 danken!

Über Bergamont

Bergamont Bicycles entwickelt und vertreibt Fahrräder. Das Unternehmen ist in Hamburg zu Hause und liefert die eigenen Räder in die ganze Welt. Vom City- oder Trekkingbike für den Alltag, bis hin zu Rennrädern und Mountainbikes – für den professionellen Einsatz bietet Bergamont für jeden das richtige Rad. (Quelle: Facebook)

Fazit

86%
86%
SEHR GUT

Das Bergamont Encore 9.0 ist ein solides, laufruhiges Enduro mit straffem Fahrwerk, das sich für technisch anspruchsvolle Touren bis zum Freeride-Einsatz eignet.

  • Design / Optik
    10
  • Verarbeitung
    9
  • Ausstattung
    8
  • Fahrwerk
    9
  • Downhill-Performance
    9
  • Uphill-Performance
    7
  • Touren-Tauglichkeit
    8
  • Gewicht
    8
  • Steifigkeit
    9
  • User Ratings (24 Votes)
    6.1
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