Das Alutech Teibun 2016 ist eines der beiden Enduros des norddeutschen Direktversenders und gegenüber der Fanes quasi als Light-Version konstruiert. Zu den besonderen Merkmalen des Bikes zählen der progressive Hinterbau mit Carbon-Sitzstreben und -Umlenkwippe sowie 156 Millimetern Federweg. Passend für das aktuelle Modelljahr wurde das Enduro für den Einsatz mit 27,5-Zoll-Laufrädern optimiert und ist generell im Detail aktualisiert worden. Wir hatten kürzlich in Österreich die Gelegenheit, das Alutech Teibun 2016 in einer Custom-Version zwei Wochen lang auszuprobieren. Dabei lag der Testfokus allerdings auf der Tauglichkeit für weibliche Fahrer mit Hang zum Single-Trail- und gemäßigten Park-Einsatz.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Im Jahr 2010 hat Alutech zusammen mit dem Entwickler Stefan Stark eine neue Rahmenplattform für den Enduro-Einsatz entwickelt, die in der Fanes resultierte. Das vielgelobte Bike überzeugte mit einem erstklassigen Hinterbau und einem hervorragenden Fahrgefühl. An diesem Erfolg anknüpfend, folgte für das Modelljahr 2014 eine Light-Variante in Form der Teibun. Dieses Rad verfügt nicht nur über Carbon-Sitzstreben und ein progressives Heck, sondern ist in der aktuellen Modellvariante auch noch mit 14 Millimetern weniger Hub als das Fanes ausgestattet. Dadurch richtet sich das Teibun laut dem Hersteller an Enduro-Racer und -Tourer.

In Österreich hatten wir endlich die Gelegenheit die aktuellste Version dieses Bikes im Rahmen der Alutech Green Days in Nauders am Reschenpass – genauer auf einem Teil der 3-Länder Enduro Trails – zu testen. Darüber hinaus stellte uns Firmen-Chef Jürgen Schlender das Modell für zwei weitere Wochen bereit. So hatten wir die Möglichkeit das Alutech Teibun 2016 ausführlich während ausgiebiger Touren und ebenso im Bikepark Leogang sowie Saalbach-Hinterglemm auszuprobieren. Dabei lag der Testfokus anders als sonst auf der Tauglichkeit für das weibliche Geschlecht. Welche Konfiguration uns zur Verfügung stand und welche Eigenschaften das Bike mit sich bringt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Das Alutech Teibun 2016 im Detail

Das Alutech Teibun 2016 reiht sich in die Enduro-Sparte des Direktversenders aus Norddeutschland ein und soll durch den progressiveren Hinterbau etwas sportlicher sowie touren-tauglicher als das direkte Gegenstück in Form der Fanes zu bewegen sein. Mit 156 Millimetern Federweg am Heck und 160 Millimetern an der Front stehen laut dem Hersteller dennoch genügend Reserven für ruppige, schnelle Abfahrten bereit. Dies wird von der Tatsache untermauert, dass Team-Fahrer Daniel Gottschall auf die Plattform zurückgreift und damit sehr erfolgreich bei Rennen ist.

Für die aktuelle Saison wurde das Modell ordentlich überarbeitet und weist eine modernere Geometrie und entsprechend aktuelle Features auf. Bereits auf der Eurobike 2015 konnten wir das neue Modell begutachten und die Neuerungen in Erfahrung bringen. So dient der Hauptrahmen der Fanes als Basis für das Alutech Teibun 2016. Lediglich das Heck ist anders gestaltet und mit Carbon-Sitzstreben sowie einer Umlenkwippe aus dem leichten Kohlefaserverbundstoff ausgestattet, wodurch Gewicht gespart werden soll. Neu sind außerdem der Wegfall der Geometrieverstellung und der modulare Dämpferbock. Letzterer ermöglicht später bei Bedarf metrische Federbeine einzusetzen. Ansonsten gehört eine interne Zugverlegung zu den Features des Alutech Teibun 2016.

Hinsichtlich der Geometrie wurde von Alutech ebenfalls nachgebessert und ein modernes Niveau angestrebt. So misst der Reach beispielsweise bei Rahmengröße M nun 438 statt 418 Millimeter, wodurch sich auch der Radstand von 1.158 auf 1.181 Millimeter erhöht. Zusammen mit den kurzen Kettenstreben bleibt das Bike in der Theorie immer noch wendig und agil, vermittelt aber bei schnellen Passagen mehr Sicherheit und Spurstabilität. Eine weitere Änderung, die aus den moderneren Maßen resultiert, ist der Sitzwinkel, der nun bei den verschiedenen Größen zwischen 74,5 und 75,5 Grad liegt. Beim Vorgängermodell betrug dieser Wert rund ein Grad weniger. Dadurch erzielt der Hersteller eine zentralere Sitzposition, was die Klettereigenschaften und die Kontrollierbarkeit verbessern dürfte. Neu ist auch die Rahmengröße XS, um Frauen und Jugendlichen eine passende Plattform bieten zu können. Dafür fällt die XXL-Option aufgrund zu geringer Nachfrage weg.

Designtechnisch bietet Alutech das neue Teibun wie gewohnt entweder in Alu Raw, schwarz eloxiert mit farbigen Aufklebern oder in ein- beziehungsweise zweifarbiger Pulverbeschichtung an.

Die folgende Tabelle zeigt die Geometrie-Daten des Alutech Teibun 2016:

Rahmengröße

XS

S

M

L

XL

Sitzrohrlänge350 mm400 mm440 mm480 mm520 mm
Sitzrohrwinkel74,5 Grad74,5 Grad75,5 Grad76,5 Grad76,5 Grad
Obberrohrlänge558 mm573 mm593 mm608 mm623 mm
Steuerrohrlänge110 mm110 mm110 mm120 mm140 mm
Lenkwinkel66,0 Grad66,0 Grad66,0 Grad66,0 Grad66,0 Grad
Kettenstrebenlänge431 mm431 mm431 mm431 mm431 mm
Reach393 mm418 mm438 mm461 mm472 mm
Stack596 mm596 mm596 mm611 mm629 mm
Tretlagerabsenkung-12,5 mm-12,5 mm-12,5 mm-12,5 mm-12,5 mm
Federweg (Front/Heck)160/156 mm160/156 mm160/156 mm160/156 mm160/156 mm
Laufradgröße27,5 Zoll27,5 Zoll27,5 Zoll27,5 Zoll27,5 Zoll

 

Ausstattung des Testmodells

Für den Test stand eine Custom-Version des Alutech Teibun 2016 zu Verfügung, die zwar so nicht angeboten wird, sich auf Wunsch aber beim Direktversender bestellen lässt. Ausgestattet war das Modell unter anderem mit der Rock Shox Pike RCT3 Solo Air mit 160 Millimetern Hub. Die Gabel bietet ein dreistufiges Dämpfungs-Setting mit den Positionen „Open“ (mit verstellbarer Low-Speed-Druckstufe), „Pedal“ und „Lock“ für verschiedene Fahrsituationen.

Am Heck komplettierte Alutech das Fahrwerk mit einem Double-Barrel-Air-CS-Federbein von Cane Creek. Dank dessen sogenannten „Climb Switch“ lässt sich der Hinterbau beim Pedalieren ruhigstellen.

Ansonsten war ein 1×11-Antrieb auf Basis der SRAM-GX-Gruppe verbaut, die mit einer „TRS+“ Kurbel inklusive 30er-Kettenblatt von Ethirteen ergänzt wurde.

Für die nötige Verzögerung sorgten die bissigen Vierkolben-Bremsen in Form der Magura MT5 mit 200- und 180-Millimeter-Scheibe, die in dieser Konfiguration auch schon am Bergamont Encore 9.0 überzeugt haben.

Felgen und Reifen stammen von WTB. Alutech setzt hierbei auf Laufräder bestehend unter anderem aus der Frequency-i23-Felge mit 23 Millimetern Innenbreite. Die Reifenwahl fällt fast schon typisch für ein Enduro-Race-Bike aus: An der Front sorgt der WTB Vigilante in 2.3 Zoll für ordentlichen Traktion, während am Heck der Trail Boss in 2,25 Zoll für einen geringeren Rollwiderstand aufgezogen wurde.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Ansonsten war unser Testmodell des Alutech Teibun 2016 mit einem Cockpit versehen, an dem die Komponenten von Answer zum Einsatz kamen: Neben dem AME-Vorbau in 50 Millimetern, war der ProTaper-Lenker in 780 Millimetern Breite installiert.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Abgerundet wurde das Ausstattungspaket durch eine Reverb-Stealth-Sattelstütze von Rock Shox und einen SM30-Comp-Sattel von Ergon.

Die Pedale von Twinworks gab es auch gleich dazu.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Ausstattungsübersicht

  • Rahmen: Alutech Teibun 2.0
  • Gabel: Rock Shox Pike RCT3 Solo Air, 160 mm
  • Dämpfer: Cane Creek DB Air CS, 156 mm
  • Schaltwerk: SRAM GX, 11-fach
  • Schalthebel: SRAM GX Trigger 11-fach
  • Kassette: SRAM GX, 11-fach
  • Kurbelsatz: Ethirteen TRS+, 30 Zähne
  • Innenlager: Ethirteen BSA
  • Steuersatz: CaneCreek 40, schwarz
  • Vorbau: TwinWorks CNC 31,8x35mm, schwarz
  • Lenker: Answer Pro Taper Expert 780DH
  • Griffe: Ergon G1A Evo
  • Sattelklemme: TwinWorks CNC Innensechskant 34,9 mm
  • Sattelstütze: Rock Shox Reverb Stealth
  • Sattel: Ergon SM30 Comp
  • Bremsen: Magura MT5, 200/180 mm
  • Laufräder: WTB Frequency i23, 27,5 Zoll
  • Bereifung: WTB Vigilante 2.3″ (vorne) / WTB Trail Boss 2.25″ (hinten)
  • Pedale: TwinWorks CNC Flat Pedal, schwarz
  • Gewicht: ca. 12,8 Kilogramm
  • Preis: ca. 3.580 Euro (mit Pedalen: ca. 3.660 Euro)

Praxis/Fahreigenschaften

Auf den Alutech Green Days in Nauders hatte der norddeutsche Direktversender eine beachtliche Testflotte dabei. Dementsprechend konnten wir verschiedene Rahmengrößen ausprobieren und sogar den Direktvergleich mit anderen Modellen wie dem Fanes anstellen. Da unsere Testfahrerin mit einer Schritthöhe von 73 Zentimetern und 1,64 Metern relativ klein ist, fiel die Wahl letztlich auf das Alutech Teibun 2016 in der Rahmengröße S. Die XS-Variante war dann doch eine ganze Ecke zu klein.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Jürgen Schlender hat sich auch persönlich um das Fahrwerks-Setup gekümmert und Daniel Gottschall die restlichen Kontrollarbeiten durchgeführt, damit das Bike ohne Beanstandungen in unseren zweiwöchigen Test starten konnte. Doch den letzten Tag der Green Days haben wir natürlich genutzt, um die Trails zu erkunden, die mit der Mutzkopfbahn erreichbar waren.

Bereits ab dem Transferweg zum ersten S2-Single-Trail vermittelte das Alutech Teibun 2016 viel Sicherheit und ließ sich intuitiv ohne lange Eingewöhnungsphase über die Strecken bewegen. Mit jeder neuen Abfahrt wuchs das Vertrauen in das Enduro, was in höheren Geschwindigkeiten und einer aktiveren Fahrweise resultierte. Auch während der Besuche in Saalbach-Hinterglemm und Leogang konnte das Bike die Testfahrerin überzeugen, denn das Fahrwerk bestehend aus Rock Shox Pike und Cane Creek Double Barrel Air CS funktionierte hervorragend: Das Alutech Teibun 2016  stand jederzeit hoch im Federweg und schluckte die groben Unebenheiten der verschiedenen Streckenarten wirklich souverän, ohne, dass dem Fahrer zu viel Feedback vom Untergrund genommen wird. Hier macht sich auch der progressive aber auch aktive und angenehm straffe Hinterbau positiv bemerkbar, denn selbiger trug einen ordentlichen Teil zu dem sicheren Fahrgefühl bei.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Die nötige Agilität brachte das Bike ebenso mit, was gerade in Spitzkehren und schnellen Kurvenwechseln von Vorteil war. Auf Touren mit Aufstiegen, die selbst bewältigt wurden, arbeitete der Hinterbau nahezu frei von Antriebseinflüssen und damit ohne spürbares Wippen. Der „Climb Switch“ des Dämpfers war dafür meist aktiviert. Doch auch ohne die Option ist das Alutech Teibun 2016 am Heck nicht wirklich unruhig geworden. Was allerdings bei den Touren im Hochgebirge auffiel: Der 1×11-Antrieb verlangt nach viel Power in den Beinen. Zwar konnten gemäßigte Anstiege problemlos bewältigt werden, doch bei steilen Strecken fehlte etwas die Bandbreite. Hierfür hat der Hersteller das Enduro mit einer Umwerferaufnahme ausgestattet. Wer also viel Langstrecke mit harten Steigungen fährt, sollte zur 2×11-Schaltung greifen. Auch sollten Biker mit kleinen Händen eventuell zu einer alternativen Bremse greifen, denn die Ergonomie der MT5-Hebel war nicht vollends zufriedenstellend. Der lange Weg und der vergleichsweise weiche Druckpunkt gefielen unserer Testfahrerin nicht ganz so gut. Alternativ sollten die neuen 1-Finger-Hebel ausprobiert werden. Leichte Personen werden ohnehin schnell merken, dass die Power der MT5 enorm und fast schon zu hoch ist. Vorteil der starken Performance ist dagegen die geringere Handkraft, die aufgewendet werden muss, wodurch natürlich die Arme bei langen Abfahrten geschont werden.

Während unserer zweiwöchigen Testphase in Österreich sorgte das Bike durchgehend für Fahrspaß ohne Ausfälle oder nennenswerte Schwächen und konnte alle Einsatzbereiche abdecken, die von einem guten Enduro erwartet werden: Vom Park-Einsatz über ausgedehnte Touren bis hin zum sportlichen Single-Trail-Gebrauch meisterte das Alutech Teibun 2016 alles problemlos.

Alutech Teibun 2016: Race-Enduro als Custom-Aufbau im Kurztest

Fazit

Das Alutech Teibun 2016 lässt sich trotz der doch recht kurzen Testphase von nur zwei Wochen als reinrassiges und exzellentes Enduro bezeichnen. Es hat wirklich alle Aufgaben souverän gemeistert, die an ein solches Bike gestellt werden. Ausschlaggebend dafür ist natürlich eine durchdachte Ausstattung in Form einer individuellen Komponentenkonfiguration. An dieser Stelle bietet der Direktversender aus Norddeutschland laut eigenen Angaben eine große Auswahl und viele spezielle Optionen für spezielle Wünsche.

Überzeugt hat das Alutech Teibun 2016 vor allem durch das hervorragende Fahrverhalten: Neben dem erstklassigen Fahrwerk trumpfte das Race-Enduro mit Agilität und Sicherheit auf. Bei sehr hohen Geschwindigkeiten bietet ein vergleichbares Modell mit längerem Reach etwas mehr Spurstabilität. Doch das ist nur eine kleine Beanstandung, denn unsere Testfahrerin empfand die Mischung aus Laufruhe und Agilität bei dem Alutech Teibun 2016 als optimal. Ein gewisses Maß an Verspieltheit konnte das Bike somit vorweisen.

Wirkliche Schwächen leistete sich das Enduro nicht und überzeugte daher auf ganzer Linie. Der Preis unseres Testmodells fällt mit 3.580 Euro auf den ersten Blick etwas hoch, gemessen an den Komponenten, der Individualität und der Fahrleistung aber fair aus. In der Basis-Variante ist der Einstieg bereits ab 2.799 Euro möglich. Aufgrund des souveränen Auftritts, vergeben wir unsere Empfehlung an das Alutech Teibun 2016:

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An dieser Stelle möchten wir uns natürlich auch noch einmal bei Alutech für die Bereitstellung des Test-Bikes bedanken!

Über Alutech

Alutech ist ein Premium-Hersteller und Direktversender mit Sitz in Norddeutschland. Hinter der Marke stehen engagierte Mountainbiker mit Hang zur Perfektion und Innovation. Entwickelt und angeboten werden Trail-, All-Mountain-, Enduro-, Freeride- sowie Downhill-Bikes, die nach Wunsch sogar individuell konfiguriert werden können.

Wertung

89%
89%
Sehr gut!
  • Design / Optik
    9
  • Verarbeitung
    9
  • Ausstattung
    8
  • Fahrwerk
    10
  • Downhill-Performance
    9
  • Uphill-Performance
    8
  • Touren-Tauglichkeit
    8
  • Gewicht
    9
  • Steifigkeit
    10
  • User Ratings (11 Votes)
    7
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