Mit dem BE3 hat Ergon auf der Eurobike 2015 die bisher größte Ausbaustufe des speziellen Enduro-Rucksacks vorgestellt. Neu ist das vergrößerte Fassungsvermögen, das auf zehn Liter erhöht wurde. Damit soll sich das Modell nun auch für längere Touren bis hin zu Tagesausflügen eignen. Logischerweise wurde deshalb auch eine größere Trinkblase integriert. Die Kern-Features des Rucksacks bleiben aber identisch zu den bisherigen Varianten: Der Ergon BE3 soll optimalen Schutz mit ergonomischem Tragekomfort, maximaler Bewegungsfreiheit und dem notwendigen Stauraum kombinieren. Ob das Konzept auch bei diesem Ableger aufgeht und ob der Rucksack für einen Tagesausflug ausreicht, konnten wir in den vergangenen Wochen ausführlich testen.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Die BE-Rucksack-Serie von Ergon wurde im Jahr 2014 zusammen mit Downhill- und Enduro-Profi Fabien Barel entwickelt. Im Fokus standen dabei die klare Race-Tauglichkeit und ein hoher Schutzfaktor. Dementsprechend wurde der Rucksack hinsichtlich Stauraum auf das mögliche Minimum reduziert. Ausrüstung und Verpflegung sollten lediglich für ein Rennen reichen. Eine zweite Variante in Form des BE2 zeigte sich durch das Fassungsvermögen von 6,5 Litern etwas alltagstauglicher. Die bisher größte Ausbaustufe wurde auf der Eurobike 2015 vorgestellt und bietet ein Volumen von zehn Litern. Damit soll der Ergon BE3 laut dem Hersteller als optimales Daypack dienen können. Die Features der Rucksack-Serie wurden auch bei dem neuen Modell wieder integriert und im Detail sogar optimiert. Welche das sind, erklären wir euch in diesem Artikel. Außerdem konnten wir in den vergangenen Wochen ausgiebig testen, ob sich der Ergon BE3 für eine Tages-Tour und den Bikepark geeignet ist.

Der Ergon BE3 im Detail

Rein äußerlich lehnt das Design des Ergon BE3 stark an den beiden bisherigen Modellvarianten an. Auffällig ist das größere Volumen der beiden Staufächer, wodurch die Aussparung dazwischen weniger markant ausfällt. Ansonsten zeigt sich der bekannte Materialmix aus Polyester und Nylon. Zusätzliche Verstärkungen am Boden beziehungsweise um das untere Staufach schützen strapazierte Stellen. Insgesamt wirkt der Aufbau sehr robust und der eingesetzte Stoff widerstandsfähig. Trotzdem bringt der Rucksack laut dem Datenblatt in der uns vorliegenden Größe L nur 1.060 Gramm auf die Waage.

Der Ergon BE3 unterscheidet sich aber nach wie vor – wie auch die beiden kleineren Modelle – deutlich von konventionellen Bike-Rucksäcken, was vor allem dem zweiteiligen Aufbau geschuldet ist. Dieses spezielle Format ergibt sich streng genommen aus der Tatsache, dass der Hersteller um das Protektorfach einen Rucksack konstruiert hat. Das Resultat soll eine maximale Bewegungsfreiheit auf dem Trail sein, sodass der Fahrer nur unwesentlich in seiner Agilität eingeschränkt wird.

Obwohl der Ergon BE3 ab Werk ohne Protektor daherkommt, geht das Konzept auch mit der standardmäßig integrierten Schaumstoffplatte auf. Dieses Element bietet allerdings keinerlei Schutzfunktion, sorgt aber für die nötige Flexibilität und Stabilität im Rückenbereich.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Optionaler Protektor BP100 als sinnvolle Ergänzung

Der optional erhältliche Rückenprotektor BP100 stellt ein empfehlenswertes Upgrade des Ergon BE3 dar und kostet lediglich 34,95 Euro (UVP) Aufpreis. Erst mit diesem Bestandteil ist der volle Funktionsumfang des Enduro-Rucksacks gewährleistet. Hergestellt wird der flexible Protektor in Deutschland vom Schaumstoff-Spezialisten Leidel & Kracht.

Der BP100 ist mehrschichtig aufgebaut: Als Basis dient ein stoßfester EPS-Kern, der von einem PU-Schaum umhüllt ist. Als dritte Schicht kommt ein Polyester-Mantel zum Einsatz. Durch diesen Aufbau bringt der Rückenprotektor lediglich 140 Gramm auf die Waage. Zusätzlich bietet der BP100 so die nötige Flexibilität, um sich an die jeweilige Rückenform anzupassen. Wird der Protektor aber durch einen Aufprall beschädigt, muss er ausgetauscht werden.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Laut Hersteller ist der BP100 gemäß der europäischen Norm „EN1621-2:2014“ für Motorradfahrer-Schutzkleidung zertifiziert und soll lediglich 13,5 von maximal 18,0 Kilonewton Restkraft zulassen.

Zehn Liter Stauraum für die Tagesausrüstung

Doch egal ob mit Schaumstoffplatte oder BP100-Protektor, der Ergon BE3 stellt in beiden Fällen insgesamt zehn Liter Stauraum zur Verfügung. Das soll laut Hersteller für Werkzeug, Verpflegung und etwas Ausrüstung wie beispielsweise eine Regenjacke reichen – und das sogar im Umfang für einen ganzen Bike-Tag. In der Tat ist im Hauptfach deutlich mehr Platz als beim BE2. Platz für zwei Schläuche, eine Pumpe zusätzliche Bekleidung und einen ausgiebigeren Snack ist vorhanden.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Im angrenzenden, vorderen Fach befindet sich hingegen die Regenschutzhülle in der auffälligen Farbe „Limegreen“. Komprimiert nimmt diese ungefähr ein Drittel des Volumens ein, sodass an dieser Stelle noch etwas Platz für Handy, Geldbeutel und vielleicht den Schlüssel bleibt. Eine kleine Innentasche mit Reißverschluss nimmt auch noch etwas Bargeld oder ähnliches auf. Auf ein gepolstertes Brillen- oder Smartphone-Fach muss leider verzichtet werden.

Trinkblase von Hydrapak

Im unteren Abteil des Ergon BE3 befindet sich die mitgelieferte Trinkblase. Selbige fasst bei der größten Variante des Enduro-Rucksacks insgesamt 2,5 Liter an Flüssigkeit. Entwickelt wurde die Blase von Hydrapak und besteht aus hygienischem Polyurethan. Der Markenhersteller ist auch für die Fertigung zuständig.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Zu den Features der BH250 zählen die breite Bauweise inklusive großer Öffnung für ein einfaches Befüllen sowie der 127 Zentimeter lange, knicksichere und geschmacksneutrale Trinkschlauch mit Beißventil. Eine Besonderheit ist zudem die Schnellkupplung mit Sicherheitsventil, die den Umgang mit der Trinkblase extrem vereinfacht.

Dank der Positionierung des Flüssigkeitsreservoirs liegt der Schwerpunkt des Ergon BE3 weit unten und außerdem nahe am Körper. Im Fach der Trinkblase integriert der Hersteller auch noch eine kleine Netztasche mit Reißverschluss, die dem Datenblatt zufolge für kleine Bike-Tools gedacht ist.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Links und rechts neben dem unteren Staufach sind außerdem zwei weitere Taschen im großzügig dimensionierten Hüftgurt implementiert.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Optimale Passform durch innovatives Verstellsystem

Eine weitere, sehr spezielle Eigenschaft des Ergon BE3 ist die ergonomische Passform. Erreicht wird dies unter anderem durch ein Größensystem. Erhältlich ist der Enduro-Rucksack in Small und Large. Das letztgenannte Maß richtet sich an Nutzer ab einer Körpergröße von 175 Zentimetern. Alle Biker darunter sollen laut der Empfehlung von Ergon zu S greifen. Über die vierfache Rückenlängeneinstellung lässt sich der Enduro-Rucksack noch weiter an die eigene Ergonomie anpassen. Je nach Körpergröße wird die Einstellung über eine Art flexibler Trägerplatte vorgenommen, die über ein Klettsystem mit dem restlichen Rucksack verbunden ist. Als Optionen stehen S, M, L und XL bereit. Eine Tabelle auf der Rückseite der Anleitung gibt eine Hilfestellung, welches Maß das richtige für den jeweiligen Nutzer darstellen könnte.

Zusammen mit dem selbstjustierenden System der beiden Schultergurte soll laut Ergon maximaler Tragekomfort entstehen, der zudem die besten ergonomischen Vorgaben erfüllt. Hierbei spielt auch das Lastkompressionsprinzip, welches der Hersteller mittels „Adaptive Carrier System“ umgesetzt hat, eine wesentliche Rolle: Durch die untere Schultergurtaufhängung wird das Trinkblasenfach quasi umschlossen und der Rucksack so je nach Füllstand optimal an den Rücken gedrückt. Somit bleibt der Tragekomfort immer gleich – egal, wie stark der Ergon BE3 befüllt ist.

Zusätzlichen Halt liefern der lange, teilgummierte Hüftgurt, der auch für Fahrer mit einem etwas größeren Bauchumfang geeignet ist, und die rutschfesten Oberflächen auf der Innenseite der Schultergurte.

Halterung für Full-Face-Helme und Knie- oder Armschützer

Trotz der kompakten Ausmaße bietet der Ergon BE3 die Möglichkeit, Full-Face-Helme und Protektoren sicher unterzubringen. Dazu sind in zusätzlichen Einschüben Gurte vorhanden, die an den nummerierten Laschen befestigt werden müssen. Die Handhabung ist durch die Markierungen denkbar einfach geraten.

Außerdem erfolgt die Fixierung von Full-Face-Helmen über die vier Befestigungspunkte am Ergon BE3 durch die größere Auflagefläche nun deutlich fester und verrutschsicherer als beispielsweise beim BE2. Die Zusatzhalterungen für das untere der beiden Hauptfächer sind bei der neusten Version des Enduro-Rucksacks ebenfalls in einer separaten Tasche untergebracht. Drei Laschen stehen pro Gurt zur Auswahl, was die Flexibilität bei der Justierung erhöht. Platz ist hier für ein ganzes Protektor-Set.

Helm und Protektor werden durch diese Befestigungsart nah am Körper getragen, was den Tragekomfort und die gewünschte Beweglichkeit unterstützt.

Ergon BE3: Ergonomischer Enduro-Rucksack mit Protektor im Test

Praxiseinsatz des Ergon BE3

Wir hatten Gelegenheit, den Ergon BE3 in Österreich ausführlich zu testen. Dabei durften wir den Enduro-Rucksack nicht nur im Bike-Park, sondern auch bei ausgiebigen Trail-Touren auf die Tauglichkeit als Daypack hin überprüfen.

Einstellung auf das Körpermaß

Doch bevor die Action mit dem Backpack starten konnte, musste das Tragesystem auf unsere Maße abgestimmt werden. Eine ausführliche Hilfestellung dazu liefert das Handbuch, wodurch die Justierung schnell vonstattengeht. Zunächst haben wir die Rückenlängeneinstellung konfiguriert. Dann erfolgte die Anpassung der Schultergurte. Hierzu gibt die mitgelieferte Anleitung ebenfalls Aufschluss und erläutert, welche Markierungen sich an welcher Position des Körpers befinden sollten. Letztlich empfiehlt der Hersteller auch, dass der Bauchgurt nahe der Hüftknochen liegt (+/- drei Zentimeter). Nach dieser einmal nötigen Einstellphase saß der Ergon BE3 nahezu perfekt und unauffällig auf dem Rücken.

Stauraumaufteilung und Platzverhältnisse

Beim Packen des Rucksacks waren wir überrascht, wie große ein Volumen von zehn Litern doch sein kann. Neben ausreichend Verpflegung blieb noch Platz für zwei Ersatzschläuche, eine kompakte Pumpe, ein Bike-Tool und unsere Action-Cam. Eine Regenjacke mit kleinem Packmaß in Form der ION Shelljacket Vario konnten wir auch noch im oberen Fach unterbringen. Dann war der Freiraum aber schon nahezu ausgenutzt. Smartphone und Geldbeutel hätten wir dort aber auch noch unterbekommen. Diese beiden Gegenstände fanden dann aber noch ausreichen Platz im Fach der Trinkblase. Dort könnte Ergon sogar noch zusätzlichen Stauraum in Form einer gepolsterten, wassergeschützten Deckeltasche oder einem Zwischenboden unterbringen, in dann beispielsweise das Smartphone passt. Letzteres gehört mittlerweile zur Standardausrüstung und sollte auch entsprechend untergebracht werden können.

Insgesamt betrachtet, bietet der Ergon BE3 aber genügend Platz für alles Notwendige und sogar etwas zusätzliches Equipment. Ein Tagesausflug auf Trails oder im Bike-Park ist daher ohne Probleme möglich – ein ordentliches, reichhaltiges Frühstück vorausgesetzt.

Full-Face-Helm und Protektoren sind schnell platziert

Für unsere Trail-Tour haben wir zudem einen Full-Face-Helm und Protektoren angebracht. Die Fixierung erfolgte dank des einfachen Gurt-Systems sehr einfach und vor allem schnell. Wer dann allerdings an das Hauptfach möchte, muss den Helm wieder abnehmen oder zumindest die zwei oberen Riemen lösen.

Tragekomfort und Belüftung

Nachdem es endlich auf Tour gehen konnte, fiel direkt der bequeme Sitz des Ergon BE3 trotz voller Beladung auf. Hierzu trägt vor allem die hervorragende Ergonomie des Rucksacks bei korrekter Einstellung bei. Während der Fahrt fällt das Enduro-Backpack kaum auf, was für ein angenehmes und unbeschwertes Gefühl auf dem Bike sorgt.

Auch die Belüftung konnte überzeugen, was vor allem dem kompakten Maß des Rucksacks zuzuschreiben ist. Außerdem liegt der Ergon BE3 an nur vier Stellen wirklich am Rücken auf, wodurch viel Luft zirkulieren kann. Das Konzept geht gerade bergab wirklich auf. Die perforierten Schultergurte wirken unnötiger Schweißbildung ebenfalls entgegen.

Auf dem Trail

Am Trail angekommen, konnte der Ergon BE3 erneut überraschen. Der Rucksack bietet dank des zweiteiligen Aufbaus eine exzellente Bewegungsfreiheit und schränkte beim Fahren an keiner Stelle ein. Nie entstand ein unangenehmes Gefühl – ganz im Gegenteil: der hervorragende Tragekomfort war auch auf dem Trail wiederzufinden. Sprünge, Spitzkehren und schnelle Kurvenfahrten ließen sich trotz Gepäck optimal realisieren. Dabei blieb der Rucksack stets an der vorgesehen Position und verrutschte nicht.

Während unserer ausführlichen Testphase sind wir mit dem Rucksack auch ein Mal gestürzt. Die Funktion des Protektors können wir daher subjektiv als sehr gut bezeichnen, weil vom Aufprall nicht viel am Rücken ankam. Nach einer ausgiebigen Prüfung konnten wir aber keinen Schaden am BP100 feststellen.

Fazit

Der Ergon BE3 stellt die logische Ergänzung der Enduro-Rucksack-Serie dar und kombiniert die hervorragenden Eigenschaften der beiden bisherigen Modelle mit deutlich mehr Stauraum. Letzterer reicht in der Tat aus, um mit dem Bike einen ganzen Tag auf dem Trail oder im Bikepark verbringen zu können, ohne, dass der Rucksack zur störenden Last wird. Positiv sind während der ausgiebigen Testphase vor allem der dauerhaft hohe Tragekomfort durch die ergonomische Anpassung an die eigene Anatomie und die optimale Bewegungsfreiheit aufgefallen. Die Verrutschsicherheit und das recht gute Belüftungssystem runden den Ergon BE3 ab.

Schade ist, dass der Hersteller den Enduro-Rucksack ohne Protektor ausliefert. Wir empfehlen jedem, den optionalen Rückenschutz dazuzukaufen. Dafür werden allerdings zusätzlich rund 35 Euro fällig. Ansonsten bietet das Trinkblasenfach bezüglich der Aufteilung noch Potenzial, das Ergon nicht voll ausschöpft.

Alles in allem erhält der interessierte Käufer für knapp 160 Euro mit dem Ergon BE3 einen durchdachten Enduro-Rucksack, der in fast jeder Hinsicht vollkommen überzeugen kann. Die 35 Euro für den Protektor sollten aber in jedem Fall in den Kauf eingerechnet werden. Aufgrund der wirklich überzeugenden Umsetzung vergeben wir unsere ausdrückliche Empfehlung an den Ergon BE3:

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An dieser Stelle möchten wir Ergon für die Bereitstellung des BE3 danken!

Wertung

91%
91%
Sehr gut!
  • Tragekomfort/Ergonomie
    10
  • Bewegungsfreiheit
    9
  • Verarbeitungsqualität
    9,5
  • Anpassungsmöglichkeiten
    9
  • Belüftung
    8
  • Gewicht
    10
  • Staufachaufteilung
    9
  • Zusatzhalterungen
    10
  • Zubehör
    8
  • User Ratings (1 Votes)
    9.3
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1 Kommentar

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