Der POC Trabec zählt zu den beliebtesten Enduro-Helmen am Markt und wird trotz Nachfolger auch für die Saison 2016 weiterhin angeboten. Ausgestattet mit einem besonderen Schutz-System samt MIPS-Technologie, durchdachten Features und hochwertigen Materialien, soll der Träger keine Kompromisse bei der Funktionalität eingehen müssen. Das verspricht zumindest der Hersteller und genau aus diesem Grund haben wir uns den POC Trabec Race MIPS näher angesehen. Wie das knapp 230 Euro teure Modell abschneidet, klären wir in diesem Test.  

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Obwohl der schwedische Hersteller POC auf der Eurobike 2015 mit dem Tectal einen neuen Enduro-Helm vorgestellt hat, bleibt dessen erfolgreicher Vorgänger in Form des Trabec weiterhin im Sortiment. Für die Saison 2016 wurde rein gar nichts verändert, was darauf schließen lässt, dass der Hersteller keinen Grund für eine Optimierung sieht. Deshalb haben wir uns den POC Trabec Race MIPS zukommen lassen und wollen klären, ob der recht hochpreisige Helm wirklich einhundertprozentig überzeugt. Dazu war das Modell in den letzten Wochen unser ständiger Begleiter auf den heimischen Trails.

Der POC Trabec Race MIPS im Überblick

Laut POC wurde der Trabec Race MIPS für den Single-Track- und Enduro-Einsatz konzipiert und soll größtmöglichen Schutz sowie beste Funktionalität verbinden. Deshalb lagen bei der Entwicklung eine hohe Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit bei einem möglichst geringen Gewicht im Fokus. Zusätzlich verspricht der Hersteller eine gute Belüftung und eine optimale Passform für verschiedene Kopfarten.

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Beim POC Trabec Race MIPS handelt es sich um einen sogenannten In-Mold-Helm, der im Kern aus EPS-Schaum besteht. Letzterer ist rundum von einer robusten Polycarbonat-Hülle verschlossen. Dazwischen arbeitet der Hersteller Aramidfasern ein, die nicht nur für mehr Stabilität und Haltbarkeit sorgen sollen, sondern auch den Durchschlagschutz erhöhen, was gerade beim harten Enduro-Einsatz von Vorteil ist. Damit bringt der POC Trabec Race MIPS in der uns vorliegenden Größe XL/XXL 412 Gramm auf die Waage gehört damit zu den robusteren Modellen.

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Angeboten wird der Helm in den drei Farbkombinationen Black/White, Radon Blue und White/Black sowie in den Größen XS bis XXL. Damit deckt der Hersteller Kopfgrößen von 51 bis 62 Zentimeter Umfang ab. Hinsichtlich der Farbauswahl sind potenzielle Käufer allerdings etwas eingeschränkt. Wir haben uns für den Test das Exemplar in Weiß mit dem schwarzen Hinterkopfteil gesichert.

Form, Design & Verarbeitung

Auf den ersten Blick wirkt der POC Trabec Race MIPS etwas wuchtiger als vergleichbare Modelle, was nicht zuletzt an der Form und dem Sitz liegt, denn der Helm umschließt den Kopf ordentlich und ist hinten weit in Richtung Nacken heruntergezogen. Dies lässt auf einen hohen Rundumschutz schließen. Bei Fahrern mit größeren Köpfen relativiert sich Form. Unsere Variante in XL/XXL passte hinsichtlich der Dimensionen subjektiv betrachtet sehr gut. An kleineren Köpfen könnte der Helm aber etwas klobig aussehen.

Nichtsdestotrotz zeichnet sich das Modell durch ein modernes Design aus, welches durchweg auf Rundungen und klaren Linien basiert. POC verzichtet auf eine aggressive Optik durch harte Kanten oder einen übertrieben auffälligen Style. Das Dekor setzt sich aus zwei Hersteller-Logos an den Seiten, dem Produktnamen an der Rückseite, einem kompakten MIPS-Schriftzug und einem kleinen Window mit Blick auf die Aramid-Fasern zusammen.

Hinzu kommt die Akzentuierung im Bereich des Hinterkopfs: Dort ist eine Fläche im Kontrast zur Hauptfarbe positioniert. All das zusammen sorgt beim POC Trabec Race MIPS für eine unverkennbare, saubere Optik, die sicherlich vielen gefallen dürfte.

Unser weiß-schwarzes Modell zeigt dem hohen Preis entsprechend eine zufriedenstellende Verarbeitung. Die Lackierung des Polycarbonats wurde einwandfrei ohne Staubeinschlüsse oder Tropfen aufgebracht. Bei den Übergängen der jeweiligen Helm-Bestandteile gehen die Toleranzen in Ordnung. Hierbei würde eine höhere Verarbeitungspräzision für eine bessere Qualitätsanmutung sorgen. Einzig die starke Kratzanfälligkeit des schwarzen Kunststoffs an der Rückseite lässt sich gegen den POC Trabec Race MIPS negativ ins Feld führen.

Verstellsystem, Passform & Tragekomfort

Bevor der Helm aufgesetzt werden kann, muss logischerweise eine grobe Vorabanpassung an den eigenen Kopf erfolgen. Hierzu bietet der POC Trabec Race MIPS drei Möglichkeiten: Kopfweitenregulierung, Kinnriemen und Höhenverstellung des MIPS-Systems. Letzteres ist über eine Aufnahme mit drei vordefinierten Punkten möglich. Damit lässt sich in geringem Maße einstellen, wie weit unten am Hinterkopf die Weitenregulierung sitzt und damit auch, wie stark der Helm den hinteren Teil des Schädels umschließt.

Der Kinngurt lässt sich – wie bei vielen anderen Helmen – an drei Punkten regulieren. Diese Lösung ist bewährt und funktioniert problemlos. Beim Verstellen des Kinnriemens fällt aber direkt das fehlende Polster auf. POC sieht an dieser Stelle nur einen einfachen Gummiring vor, der das Bandende fixiert. Bei einem Preis von deutlich über 200 Euro darf der Käufer ruhig mehr bekommen.

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Beim Kinnriemen wurde auf ein Polster verzichtet.

Auch die Kopfweitenregulierung ist recht einfach gestrickt: Zum Einsatz kommt ein simpler Schiebe-Mechanismus, der einhändig bedient werden kann. Mit Handschuhen ist die Justierung aber etwas fummelig. Warum der Hersteller auf ein mittlerweile etabliertes Verstellrädchen verzichtet, lässt sich einzig mit einer längeren Haltbarkeit und geringeren Defektanfälligkeit des Schiebe-Systems begründen.

Nachdem der Helm abgestimmt ist, sitzt selbiger auch gleich optimal. Der POC Trabec Race MIPS schmiegt sich sehr gut an die (in unserem Fall doch recht runde) Kopfform an. Dadurch sind die 412 Gramm des Helms kaum zu spüren und selbst nach längerem Tragen ändert sich das Gefühl nicht. Auch ein unangenehmes Drücken war während des gesamten Testzeitraums nicht zu spüren. Insgesamt fühlte sich der Schweden-Helm gerade bei langen Touren bequem an.

Auch eine Visierverstellung ist am POC Trabec Race MIPS zu finden. Diese funktioniert stufenlos, ist aber dennoch straff genug, um auch bei hohen Geschwindigkeiten an der gewünschten Position zu verbleiben. Allerdings fällt der Einstellbereich enorm klein aus. Lediglich wenige Zentimeter stehen für eine Justierung zur Verfügung.

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Der Verstellbereich des Visiers ist sehr klein gehalten.

Polsterung & Belüftung

Ein Blick in den POC Trabec Race MIPS zeigt ein relativ kleines, einteiliges Polyester-Polster. Dieses trägt trotz des minimalistischen Formats maßgeblich zu der guten Passform und dem hohen Tragekomfort bei. Dank der antibakteriellen Beschichtung (Polygiene) riecht es nach dem schweißtreibenden Einsatz nicht direkt unangenehm. Allerdings hat das kleine Polster auch nicht die Voraussetzungen um viel Schweiß aufzunehmen. Wer also an heißen Tagen fährt oder eine anstrengende Runde auf dem Hometrail dreht, wird dies recht schnell merken.

 

Allerdings spielt hier auch die Belüftung eine Rolle: Der POC Trabec Race MIPS ist mit 16 Lüftungsöffnungen ausgestattet, die laut dem Hersteller optimal platziert sind. Zwar funktioniert die Ventilation bei schnellen Abfahrten und vor allem an kühleren Tagen, aber sobald dauerhaft eine geringe Geschwindigkeit bergauf oder im Sommer gefahren wird, steigt die Temperatur unter der Schale schnell an. Nichtsdestotrotz bietet der POC Trabec Race MIPS für einen Enduro-Helm eine gute Belüftung.

Schutz

Wie bereits erwähnt, basiert das vorliegende Modell auf einem EPS-Schaum-Kern, der mit robustem Polycarbonat überzogen wurde. Letzteres weist eine hohe Schlagzähigkeit auf und kann daher viel Energie absorbieren ohne zu brechen. Außerdem ist das Material vergleichsweise stabil und beständig gegen verdünnte Säuren, viele Öle sowie Fette oder Ethanol. Dank der zusätzlichen Schicht aus Aramid-Fasern werden nicht nur die Aufprallkräfte über eine große Fläche verteilt, sondern auch die strukturelle Stabilität deutlich erhöht. Zusammen mit dem innovativen MIPS-System bietet der POC Trabec Race eine hohe Schutzwirkung und vermittelt viel Sicherheit.

POC Trabec Race MIPS Enduro-Helm im Test

Das MIPS-System

Eine Besonderheit des uns vorliegenden POC Trabec Race ist die moderne MIPS-Technologie. Hinter diesem Kurznamen versteckt sich die Bezeichnung „Multi-directional Impact Protection System“. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Inlay, das sich beim Aufprall genau entgegengesetzt zum EPS-Schaum verschiebt, wodurch bereits 40 Prozent der entstehenden Kräfte absorbiert werden, die sonst direkt auf das Gehirn einwirken würden.

Laut den Entwicklern von MIPS imitiert diese Technologie ein bereits im menschlichen Kopf vorhandenes Sicherheitssystem. Kommt es zum Aufprall, kann das Gehirn an einer Membran entlang gleiten, welche sich an der inneren Oberfläche des Schädels befindet. Das direkte Einwirken der gefährlichen Kräfte wird dadurch reduziert. Diese schützende Funktion ist mit der MIPS-Technologie somit in den Helm integriert. EPS-Schaum und MIPS-Inlay sind dabei durch kleine, punktuell angebrachte Flies-Sticker reibungsarm voneinander getrennt. In der Praxis ist es ohne einen entsprechenden Sturz (der zum Glück ausblieb) nicht zu überprüfen ob das Konzept auch wie versprochen funktioniert. Hierbei muss den Herstellern wie eben POC vertraut werden, die entsprechende Produkte anbieten.

Fazit

POC liefert mit dem Trabec Race MIPS einen Helm für den Trail- sowie Enduro-Einsatz ab, der ein hohes Maß an Sicherheit vermittelt und in vielen, weiteren Punkten überzeugt. Gerade Tragekomfort und Passform liegen auf einem sehr guten Niveau. Zudem gefällt uns das unverwechselbare Design in Zusammenspiel mit dem dezenten Dekor. Dennoch geht der Hersteller gemessen am Preis von knapp 230 Euro (UVP) einige Kompromisse bezüglich der Kopfweiten- sowie Visierverstellung ein und verzichtet auf Features wie beispielsweise ein Kinnriemenpolster. Die Belüftung geht zwar in Ordnung, könnte aber noch etwas besser ausfallen.
editors_choice
Inzwischen wird der Helm bereits für unter 200 Euro angeboten. Beispielsweise finden sich diverse Angebote bei Amazon. Wer noch mehr Geld sparen möchte, sollte sich die Variante ohne MIPS-System anschauen.

Über POC

POC ist ein junges Unternehmen aus Schweden, welches sich eine harte Mission als Basis gestellt hat – alles zu tun, was möglich ist, um die Leben vieler Sportler zu retten und Verletzungen zu minimieren, indem man ständig Neues entwickelt und Altes verbessert. Der persönliche Schutz der Sportler steht dabei im Vordergrund. POC hat in kurzer Zeit in vielen Bereichen neue Standards durch neue technische Lösungen, besonderen Konstruktionen, Material Kombinationen und viel Ingenieursarbeit geschaffen um den Grad des Schutzes immer weiter zu erhöhen. Alle Produkte werden von Top Athleten getestet. (Quelle: POC)

Fazit

83%
83%
GUT

Alles in allem überzeugt der POC Trabec Race MIPS als sicherer und bequemer Halbschalen-Helm, auch wenn das Features-Set eher puristisch ausfällt.

  • Design / Optik
    9
  • Verarbeitung
    8
  • Tragekomfort
    9
  • Passform
    9
  • Verstellsystem
    6
  • Belüftung
    7
  • Schutz
    10
  • User Ratings (3 Votes)
    8.9
Share.

Über den Autor

Antwort hinterlassen